Die Perfektionismus-Falle
- Christoph Hickert
- 26. Okt.
- 2 Min. Lesezeit
Das Streben nach Perfektion ist verführerisch. Einerseits ist es eine hohe Qualität, wenn jemand Herausragendes leisten kann. Andererseits beobachte ich in den Beratungen von Leitern öfters, dass Perfektionismus unbewusst auch als «Schutzstil» benutzt wird.
Dahinter steckt oft eine Angst: «So wie ich bin, bin ich nicht gut genug». Perfektionisten haben den Wunsch, sich vor Kritik, Verurteilung oder Ablehnung zu schützen: mit perfekten Leistungen. Dadurch versuchen sie ihr Umfeld »gnädig« zu stimmen. Perfektionismus garantiert vermeintlich Sicherheit und Schutz. So werden sie nicht infrage gestellt oder für nicht «gut genug» befunden. Sie meinen, wenn sie perfekt aussehen, keine Fehler machen, keine Schwächen zeigen, dann können sie Kritik vermeiden und werden nicht zurückgewiesen. Im Grunde fühlen sie sich minderwertig und müssen das durch eine perfekte Leistung kompensieren.
Oft liegen solche Ängste in der Vergangenheit begraben und beeinflussen dennoch unseren Alltag. Hier lohnt es sich, genauer hinzuschauen.
Kai wurde als Kind ständig vom Vater kritisiert. Er konnte es ihm nie recht machen. Er fühlte sich klein, minderwertig, unscheinbar. Obwohl er später ein Studium absolvierte und heute eine Abteilung leitet, leidet er immer noch unter solchen Gefühlen. Unbewusst hatte er festgelegt: «Mich wird nie wieder jemand kritisieren!» Mit überragenden Leistungen versucht er sich und sein Umfeld zu beschwichtigen. Dabei trägt er unbewusst «Schattenkämpfe» aus. Nun ist es jedoch nicht mehr der Vater, dem er etwas beweisen muss, sondern seinem Chef, seiner Frau, seinen Freunden – und auch Gott.
Letztendlich kann niemand solch einem hohen Ideal entsprechen. Dies führt zu einer inneren Zerrissenheit und tiefen Müdigkeit. Perfektionisten sind sich selbst gegenüber meist die schärfsten Kritiker. In Gedanken gehen sie unbarmherzig und hart mit sich ins Gericht wie sonst niemand.
Wer sich vom Perfektionismus lösen will, muss die beschwerliche Reise von der Einstellung «Was werden bloss andere von mir denken?» zu der Haltung «Ich genüge und bin gut genug, so wie ich bin.» unternehmen.
Gottvertrauen kann hier zur Ressource werden. Wenn wir der Liebeszusage «Hab keine Angst, du bist unendlich geliebt. Friede sei mit dir.» (Dan.10.19/Bibel) immer mehr vertrauen, als den alten, kritischen, abwertenden Stimmen in uns, dann können wir zur immer mehr Ruhe kommen.
Mehr dazu im Coaching!
Christoph Hickert ist Dipl. Coach & Supervisor BSO, Lebens- und Laufbahnberater in eigener Praxis in Männedorf (www.beratung-coaching.ch) und Autor vom Buch „Nur wer sich ändert, bleibt lebendig!“





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